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Spitzing 2009
Landkreis Cham/Spitzingsee. Es ist bereits eine Tradition der Bayerischen Sportjugend (bsj), dass die erste Mitarbeiterbildungsmaßnahme des Jahres in Spitzingsee statt findet. So auch 2009, als rund 52 Übungsleiter/-innen aus den Vereinen des Landkreises wieder eine Woche zum BLSV Haus BergSee aufbrachen, um neben zahlreichen theoretischen Informationen rund um die Vereinsarbeit auch die praktische Weiterbildung nicht zu kurz kommen zu lassen. Diesmal standen die Grundlagen der Trainingslehre in Theorie und Praxis im Fokus des Lehrgangs.
(Sabrina Lugauer - bsj Cham)
Uwe Biermann, hauptamtlicher Mitarbeiter des BLSV in München referierte an zwei Tagen über „die Bedeutung des Übungsleiters im Kinder- und Jugendsport“. In einem grundlegenden Teil erklärte er den ganzheitlichen Bildungsanspruch, der auch im Sport seine Berechtigung besitzt, nämlich die Verzahnung von Erwerb von Kenntnissen und Kompetenzen und der Entwicklung von individuellen Einstellungen und Wertmaßstäben. Das Menschenbild der im Sport Tätigen müsse geprägt sein von einer freien Entfaltung der Persönlichkeit, Gleichberechtigung der Geschlechter und der Gleichstellung von Menschen mit und ohne Behinderung. Im weiteren erläuterte Biermann die verschiedenen Dimensionen von Bildung im Sport, nämlich umfassend, bewegungsorientiert und reflexiv sowie lebenslang, dynamisch, emanzipatorisch und naturorientiert. Daher könne mit einer einzelnen Ausbildung die sportliche Bildung nicht abgeschlossen sein. Vielmehr seien regelmäßige Fort- und Weiterbildungen notwendig um vorhandenes Wissen, Fähigkeiten und Kenntnisse zu vertiefen und durch das ständige Aktualisieren auch weiterzuentwickeln. Die Handlungskompetenz des Übungsleiters beinhalte sowohl Sozial- und Fachkompetenz als auch Methodenkompetenz, Vermittlungskompetenz und strategische Kompetenz als Basis für eine engagierte und motivierte Eigenaktivität des Trainers. Im weiteren Verlauf stellte Biermann den „Übungsleiter als Bezugsperson“ vor und erklärte das notwendige soziale Engagement und die soziodemographischen Merkmale sowie die sozialmoralische Bildung der Übungsleiter. Im Rahmen einer Gruppenarbeit beschäftigten sich die Teilnehmer in Kleingruppen mit der eigenen Persönlichkeitsentwicklung im Sport, reflektierten ihre absolvierten Ausbildungsgänge und Fortbildungen und erforschten ihre soziale und emotionale Bindung zu den Kindern und Jugendlichen in ihren Gruppen, für die sie auch außerhalb des Sports wichtige Ansprechpartner sind.
Manfred Dietl und Gerhard Richter, die während der gesamten Maßnahme auch als Skilehrer tätig waren, referierten über die „Sicherheit im Skisport“. Sie stellten klar heraus, an welchen Körperstellen sich Erwachsene und Kinder jeweils am häufigsten verletzten. Die Hauptursachen für die Verletzungen liegen dabei in der Pistenbeschaffenheit, im mangelhaften Material, einer mangelhaften Vorbereitung und einer überhöhten Kurvengeschwindigkeit. Doch auch Gruppenzwang und Selbstbestätigung spielen eine erhebliche Rolle. Anschließend erläuterten sie die allgemein gültigen Verhaltensregeln auf der Piste: vor allem Rücksichtnahme auf andere Skifahrer und vernünftiges Fahren sind hier die Schlagwörter. Das Anpassen der Geschwindigkeit an die Sichtverhältnisse und das skifahrerische Können sowie die Wahl der richtigen Fahrspur, das Beachten der Zeichen und die sofortige Hilfeleistung bei Unfällen sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Außerdem erklärten die Referenten das Vorgehen und die Verantwortlichkeiten bei Unfällen, wann die Polizei ins Spiel kommt und was man genau unter Verkehrssicherungspflicht versteht.
Hubert Lauerer, Vorsitzender der Bayerischen Sportjugend frischte die Kenntnisse der Teilnehmer über die Planung und Durchführung von Sportstunden auf. Dabei ging er eingangs auf die didaktischen Grundsätze ein. Es sei bei der Planung von Übungsstunden auf die Sachgemäßheit und Anschaulichkeit der Inhalte zu achten sowie auf deren Effektivität. Auch die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen müsse beachtet und die Kreativität und Spontaneität gefördert werden. Vor allem der soziale Aspekt, nämlich der Partner- oder Gruppenbezug dürfe nicht zu kurz kommen. Beim Aufbau der Einheit selbst sei im Einleitungsteil auf die psychologische, physiologische und pädagogische Vorbereitung der Teilnehmer zu achten, während im Hauptteil ein oder mehrere Schwerpunkte behandelt werden und der Schlussteil der Beruhigung dienen soll, den man je nach vorhergehendem Schwerpunkt unterschiedlich gestalten sollte. Insgesamt sei darauf zu achten, dass die einzelnen Aspekte der Sportstunde eine sinnvolle Einheit ergeben.
Über die Grundlagen der Trainingslehre am Beispiel Fußball referierte Werner Schell, Leiter von Lehrgängen der dezentralen Jugendtrainerausbildung des Bayerischen Fußballverbandes. Mit zahlreichen Beispielen zeigte er eingangs auf, dass der Lernerfolg maßgeblich vom Umgangston abhängt und wie wichtig Motivation ist, um die Freude und Kinder und Jugendlichen am Sport zu erhalten. Am Beispiel der F- und E-Junioren verdeutlichte er, wie ein effektives Grundlagentraining unter Einbezug von Kondition, Technik und Taktik bei Berücksichtigung des Alters und des Entwicklungsstandes der Kinder aussehen kann. Auch die Technikschulung stellte Schell über einen längeren Trainigszeitraum hinweg mittels anschaulicher Beispiele von den Grundübungen über Korrekturvorgänge und Steigerung des Schwierigkeitsgrades dar. Später waren die Teilnehmer im Plenum gefragt, die die aufgezeigten Lehrwege auf die Sportarten übertrugen, in denen sie schwerpunktmäßig arbeiten, wodurch ein Überblick über die Besonderheiten der einzelnen Sportarten entstand.
Harald Jucht, Hauptjugendleiter des ASV Cham, stellte das KISS-Konzept vor. Hierbei handelt es sich um eine Kindersportschule, wie sie in Bayern bereits vielfach zu finden ist und die bestimmten Qualitätsanforderungen entspricht. Es geht dabei darum, Kindern eine spartenübergreifende sportliche Grundausbildung und eine individuelle und altersgerechte Schulung und Entwicklung der motorischen Fähigkeiten zu ermöglichen. Dabei ist die Trägerschaft durch einen Sportverein sowie die Schaffung einer hauptamtlichen Leitung und der regelmäßige Besuch von KISS-Seminaren vorgeschrieben, außerdem muss für Kinder ab 2 Jahren ein Angebot bestehen, welches sich entwicklungsgerecht auf drei bis fünf Ausbildungsstufen erstreckt. Es handelt sich bei KISS um ein pädagogisches, ganzheitliches Konzept mit sportartenübergreifender Grundausbildung, die eine spätere Überleitung in die verschiedenen Abteilungen im Verein zum Ziel hat. Beim ASV Cham soll KISS im September dieses Jahres gestartet werden. Trotz zahlreicher Gegenargumente hat man sich im ASV Cham aufgrund der Professionalität, der individuelleren Schulungsmöglichkeit und des ganzheitlichen Ansatzes und vieler weiterer Vorteile auf die Einführung dieses Konzeptes entschieden.
Organisator der Mitarbeiterbildungsmaßnahme Rainer Schmid und der bsj-Voristzende Hubert Lauerer bedankten sich bei allen Referenten mit kleinen Präsenten. Für die Teilnehmer beinhaltete die Vielfalt an Informationen und das abwechslungsreiche Programm viele Anregungen und Tipps für die heimische Kinder- und Jugendarbeit in den Sportvereinen, die nur darauf warten, umgesetzt zu werden.
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(Sabrina Lugauer - bsj Cham)
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Upd2009-02-12 |
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