Jugendleiter gegen Alkohol

 

Der Kreisjugendring (KJR) Cham veranstaltete in Kooperation mit der Bayerischen Sportjugend (BSJ) und der Hanns-Seidel-Stiftung einen Workshop zum Thema „Jugend und Alkohol“. Über 30 Vereinsverantwortliche, vor allem aus den Sportvereinen des Landkreises befassten sich nach einem kurzen Einstiegsreferat in drei Kleingruppen mit den Schwerpunkten „Jugend-Alkohol-Straßenverkehr“, „Alkohol bei Festveranstaltungen“ und „Alkohol in der Jugendgruppe“. Die Hanns-Seidel-Stiftung übernahm dankenswerter Weise alle Kosten und vermittelte als Referentin die Präventionsfachkraft der Stadt Bayreuth.

 

 

Frau Dipl. Soz. Päd. (FH) Siglinde Seidler-Rieß erläuterte eingangs das sogenannte „Sucht-Dreieck“. Demnach sind für das Entstehen einer Sucht drei wesentliche Faktoren von Bedeutung, nämlich die Persönlichkeit, die Umwelt einer Person und das jeweilige Suchtmittel. Klar, jeder trinke mal ein Gläschen, so die Referentin, doch der Übergang zu riskantem oder schädlichem Verhalten bis hin zur Abhängigkeit sei in gewisser Weise fließend.

Was kann man also tun? Die Prävention, so erzählt die Referentin, war früher meist ausgerichtet auf die Abschreckung vor illegalen Drogen. Das habe sich geändert: Unterschieden werde heute in Primärprävention, die sich in erster Linie an Eltern, Kinder, und Lehrer wendet, die Sekundärprävention, die bereits Gefährdete erreichen will und die Rückfallprophylaxe bei Suchtkranken. Ziele der Primärprävention seien etwa die Steigerung des Selbstwertgefühls, „Das machen Sie ja alle in den Vereinen“, oder die Vermittlung von Lebenskompetenz, wie Genuss- und Erlebnisfähigkeit, aber auch Konfliktfähigkeit und das Aufzeigen von Alternativen zum Drogenkonsum. Das sollte alles möglichst frühzeitig beginnen, langfristig angelegt und vor allem als Gemeinschaftsaufgabe verstanden sein.

Wie wichtig vor allem die Primärprävention ist zeigt die Realität: Neue Erscheinungen, wie zum Beispiel „Koma-Saufen“ oder „Binge-Drinking“, also das Saufen bis zum Umfallen, ist in manchen Kreisen regelmäßig zu beobachten. Leider sind davon auch immer mehr Mädchen und junge Frauen betroffen. Die Zahl der behandlungsbedürftigen Alkoholvergiftungen ist erheblich gestiegen.

 

 

In den späteren Workshops verteilte Siglinde Seidler-Rieß sogenannte „Rausch-Brillen“, welche einen „alkoholisierten Durchblick“ simulieren. Es ist erstaunlich, wie deutlich plötzlich Koordination und Gleichgewichtsgefühl beeinträchtigt werden. In den Arbeitsgruppen wurden Ziele, Methoden und Umsetzungsmöglichkeiten in der Praxis gesammelt. Allgemein gilt es, die Einstellung zum Alkohol zu verändern: Nicht-Trinker dürfen nicht ausgegrenzt werden, Betrunkene müssen vom Fahren abgehalten werden und Alkohol soll bei Zusammenkünften nicht im Mittelpunkt stehen. Das Verantwortungsbewusstsein muss gestärkt werden und eine bessere Information über die schrecklichen Folgen von Alkoholkonsum wäre nötig.

 

Im Bereich Straßenverkehr waren die Jugendleiter der Meinung, dass mehr Werbung für den Disco-Bus sinnvoll wäre. Polizeikontrollen sind zwar nicht besonders beliebt, haben aber eine gute abschreckende Wirkung.

 

Der Arbeitskreis „Festveranstaltungen“ kam zu dem Ergebnis, dass die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen wichtiger sein muss, als ein hoher Umsatz und finanzieller Gewinn. Kreisjugendpfleger Simon Frank erwähnte hierzu, dass die Präventionsfachkraft des Ladkreises Cham, Antje Espach, heuer erstmals 5 mal 1.000 Euro an die Vereine verteilen wird, die originelle Ideen zur Aufbesserung der Vereinskasse haben, die nicht mit dem Verkauf von Alkohol zu tun haben. Der Arbeitskreis des Abendseminars appellierte ausdrücklich für die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes. Demnach gibt es kein Bier an Personen unter 16 Jahre und keine Spirituosen an Personen unter 18 Jahre. Wett-Trinken oder Trink-Spiele, die den Alkoholkonsum steigern sollen, haben im Programm keinen Platz. Alkohol muss deutlich teuerer sein als alkoholfreie Getränke. Außerdem ist für eine große Auswahl attraktiver Getränke ohne Alkohol zu sorgen. Regelungen mit Armbändern, Kontrollen und der Einsatz von „Security“ sind wirkungsvolle Maßnahmen, um übermäßiges „Saufen“ einzudämmen.

Beim Umgang mit Alkohol in der Jugendgruppe haben die Erwachsenen und Leiter eine wichtige Rolle als Vorbild. Jugendgruppen brauchen einen Motivator, der als Respektsperson anerkannt aber auch beliebt sein muss, um hier Erfolg zu haben. Wichtig ist es, Jugendlichen zu zeigen, dass man auch ohne Alkohol Spaß haben kann und dass Alkoholkonsum und seine Folgen nicht harmlos sind.

 

Abschließend bedankten sich der Vorsitzende des KJR Cham, Frank Aumeier und der Vorsitzende der BSJ Kreis Cham, Hubert Lauerer, mit kleinen Präsenten bei der Referentin und dem Moderator der Hanns-Seidel-Stiftung, Rudolf Mahlmeister, für die gelungene Veranstaltung. Herrn Pfarrer Josef Triebenbacher wurde für die kostenlose zur Verfügungstellung der Räumlichkeiten gedankt.

 

 

(Simon Frank und Oliver Hien - KJR Cham)

 

 

 

zu den Berichten 2008

Upd2008-03-17