Adipositas: 10 Prozent der 6-jähringen sind übergewichtig

bsj und KJR wollen einem weltweiten Trend entgegenwirken

 

Cham (cdk). Die Bayerische Sportjugend (bsj) veranstaltete in Kooperation mit dem Kreisjugendring Cham (KJR) am vergangenen Donnerstag im BRK-Haus in Cham ein Abendseminar zum Thema „Adipositas bei Kindern und Jugendlichen“. Hubert Lauerer, Vorsitzender der Bayerischen Sportjugend, konnte neben dem Referenten Dr. Georg Leipold auch Simon Frank vom Kreisjugendring und Günther Lommer, den Präsidenten des Bayerischen Landessportverbands begrüßen. Außerdem dankte er Josef Pongratz für die kostenlose zur Verfügung Stellung der Örtlichkeit.

 

 

Der Referent Dr. Georg Leipold, praktizierender Kinderarzt aus Regensburg weist darauf hin, dass es sich bei Adipositas (Fettsucht / Fettleibigkeit / übermäßige Vermehrung von Fettgewebe) um einen weltweiten Trend handelt, der sich bei uns erst in den letzten 15 Jahren herauskristallisiert hat. Bereits 10 Prozent der 6-jährigen sind übergewichtig. Gründe für Adipositas sind: weniger Bewegung und weniger körperliche Freizeittätigkeiten, Zunahme sitzender Spiele (PC, Fernsehen), Essen ist jederzeit verfügbar (Fastfood), immer größere Essensportionen (in den letzten 50 Jahren hat sich die Portion verdoppelt), gesüßte Getränke werden Wasser vorgezogen, Fastfood hat mehr als 260 Kilokalorien pro 100 Gramm mehr als eine durchschnittliche Mahlzeit. Laut Dr. Leipold sind die Folge: Bluthochdruck, chronische Entzündung an Gefäßen (Fettsäureablagerung), Diabetes Typ 2 (das sogenannte Altersdiabetes), Fettleber, Beschädigung des Bewegungsapparates (Lösung des Hüftknochens, Spreizfüße, Knieprobleme aufgrund falscher Belastung) und außerdem steigt das Risiko bereits vor dem vierzigsten Lebensjahr an Nierenschäden, Herz- und Schlaganfälle zu erleiden. Subjektive Beschwerden von Adipositas sind u. a.: Verdauungsstörungen, Kurzatmigkeit, rasche muskuläre Ermüdbarkeit, starkes Schwitzen, Brustschmerzen sowie soziale Phobien (Depression, gestörtes Selbstwertgefühl).

 

 

Der Kinderarzt führt weiter aus, dass adipöse Kinder und Jugendliche häufiger zu Autoaggression, Drogenmissbrauch und Straffälligkeit neigen. Die WHO prognostiziert für das Jahr 2025 weltweit 300 Millionen Diabetiker, was eine Epidemie darstellt. In Großbritannien rechnen Mediziner damit, dass die zu erwartenden Lebenserwartung der Kinder unter der der Eltern liegt. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es sich bei Adipositas um ein zentrales Gesundheitsproblem der Gegenwart handelt: sowohl Lebenszeit als auch Lebensqualität sinken während die Kosten ins unermessliche steigen werden. Nach Meinung von Dr. Leipold kann nur die Gesellschaft als ganzes diesem Problem entgegen wirken, nämlich durch Ernährungsänderung und Bewegungssteigerung: Die Vereine müssen Kinder zu mehr Bewegung animieren. Des Weiteren müssen Schulen mehr Sport anbieten, Gesundheitserziehung ausweiten und auf eine Verbesserung der Schulverpflegung hinarbeiten. Am wichtigsten und sinnvollsten erscheint jedoch ein gesunder Lebensstil der Familie im gesamten. Zum Schluss seines Vortrags zeigte Dr. Leipold den gegenwärtigen Stand der Gegenmaßnahmen auf: Der SV Sallern (Regensburg) bietet Hausaufgaben-Sportbetreuung an. Die Bayerische Sportjugend (bsj) verspricht jedem adipösen Kind einen Sportverein zu suchen, der diesem Kind seinen Wunschsport ermöglicht. Außerdem werden Kindergärten und Schulen aktiviert, der Problematik von Adipositas entgegenzuwirken.

 

 

Simon Frank (Kreisjugendring) dankte dem Kinderarzt Dr. Georg Leipold für den interessanten und schockierenden Vortrag und wünscht dem großen Auditorium viel Erfolg bei der Umsetzung des Gehörten.

 

 

Hubert Lauerer, bsj (links) und Simon Frank, KJR (rechts) danken

Kinderarzt Dr. Georg Leipold (Mitte) für den informativen Abend.

 

(Daniela Sailer - bsj cham)

 

 

 

zu den Berichten 2006

Upd2006-02-20