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Im Tiefschnee auf Pisten unterwegs
Traditioneller Spitzing-Aufenthalt der Sportjugend Cham – Referent Gerhard Bellmann – Schulungen zur Fortbildung
Cham. Die Bayerische Sportjugend (bsj) des Landkreises Cham lud auch heuer wieder Verantwortliche für Jugendarbeit im Verein zu einer schon traditionellen Mitarbeiterschulung nach Spitzingsee ein. Vom 23. bis 29. Januar 2005 bildeten sich Übungs- und Jugendleiter aus dem gesamten Landkreis Cham fort.
Die 45köpfige Reisegruppe startete am Samstag Mittag von Cham aus über München nach Spitzing, wo man im Erlebnishaus Spitzingsee Quartier bezog. Hubert Lauerer, Vorsitzender der bsj, Lehrgangsleiter Rainer Schmid, sowie die Mitglieder der Kreisjugendleitung Diana Seebauer, Bernhard Altmann, Birgit Daschner und Petra Schönberger boten den Sportlern wieder ein abwechslungsreiches, interessantes sowie lehrreiches Wochenprogramm an. In gewohnt lustiger Art stellten sich die Mitglieder der Kreisjugendleitung den Kursteilnehmern vor. Anschließend waren die einzelnen Vereinsvertreter an der Reihe sich vorzustellen. Diana Seebauer wählte als Vorstellungsmöglichkeit das Interwiew-Spiel „who is who“ aus. Im Zufallsverfahren fanden sich die Teilnehmer mit Hilfe von Karten zu Interview-Pärchen zusammen. In Gruppen eingeteilt, mussten die Teilnehmer zunächst einen Fragebogen bearbeiten. Hier wurden Informationen über die Lehrgangsteilnehmer, die allgemeine Jugendarbeit und die bsj befragt. Nachdem die Fragebogen ausgewertet waren, stand dafür auch eine Siegerehrung an. Als Preise für die einzelnen Teams gab es „Gselchtes, Käs und Brot“, was dann auch gleich als Mitternachts-Imbiss verzerrt wurde. Das „Highlight“ des ersten Abends war wie immer die „Spitzing-Taufe“, in der die Neuzugänge (Frischlinge) in die Gemeinschaft der „Spitzing-Pilgerschaft“ aufgenommen wurden. Am Montagmorgen fanden sich die Teilnehmer in den verschiedenen Leistungsgruppen ein und wurden durch die erfahrenen Skilehrer Gerhard Richter, Manfred Dietl, Birgit Daschner und Sepp Daschner bestens betreut und geschult. Im Praxisunterricht wurde den Sportbegeisterten das alpine Schifahren nach den neuesten Lehrplaninhalten vermittelt. Anhaltender Schneefall und tief verschneite Pisten boten die verschiedensten Möglichkeiten zur Abfahrt in der weißen Pracht. Mit glänzenden Augen (einerseits aus Freude, anderseits wegen den stechenden Schmerzen in den Oberschenkeln), schauten die Teilnehmer nach traumhaften Tiefschneeabfahrten, die normalerweise nur Schifahrern in Kanada vorbehalten sind, auf die eigens gezogenen Spurbilder im Schnee zurück, um so lange wie möglich an diesem erlebten Augenblick festzuhalten. Der teilweise ein Meter hohe Neuschnee forderte den Teilnehmern einiges an Rhythmus ab. Gerhard Bellmann, im Ausbilderteam des DSLV tätig, eröffnete am späten Montagnachmittag die Schwerpunktthematik. Der Referent, gab mit einem zweistündigen Theorieblock zu „Der Jugendleiter als Motivationsexperte“ die Grundlagen für die weitere praxisorientierte Arbeit vor. (siehe hierzu eigenen Bericht unten)
Der Referent Gerhard Bellmann mischte sich am Dienstag über nacheinander in die vier Skigruppen und gab als Trainer und Motivationsexperte verschiedene Aufgabenstellungen. Abseits der Pisten fuhren die Profis in kurzen Schwingen ins Tal, sodass der Beobachter vor lauter staubenden Pulverschnee nur noch Mützen, Helme und Teile des Oberkörpers zu sehen bekam. Abends war zu einer Saaldekoration aufgerufen. Hier spürte man, was Gruppendynamik bedeutet, denn innerhalb kürzester Zeit präsentierte sich der Saal in bunten Farben. Zu Fuß wurde an diesem Abend mit Fackeln durch die wunderschön tief verschneite Landschaft des Spitzingseegebietes zur unteren Firstalm aufgebrochen. Durch das neu gestaltete Liederheft der bsj von Diana und Bernhard und die Musiker Stefan und Toni wurde es ein sehr musikalischer Abend. Soloeinlagen wie der „Zentralfriedhof“ versetzten die Gruppe in Stimmung. Nachdem um Mitternacht die Bayernhymne ganz sanft angestimmt wurde, ertönte der letzte Refrain in einer gewaltigen Stimmfülle, der bei den übrigen Gaststättenbesuchern für Gänsehautstimmung sorgte. Heiser aber zufrieden marschierte der „Spitzing Chor geschlossen ins Nachtquartier zurück.
Am Mittwoch fand die Schiausbildung im Taubensteingebiet statt. Bis in die Mittagsstunden wurden alle unberührten Tiefschneepisten ausgemacht. Die Hänge zum Tiefschneefahren mussten aber sorgfältig ausgewählt werden, sonst konnte es sein, dass man bis zur Nabelhöhe im Schnee stecken blieb. Wurden aber die richtigen Pisten gefunden, konnte wie auf Watte ins Tal „gepudert“ werden. Nach der letzten Abfahrt nutzten einige Teilnehmer die riesigen Schneemassen für akrobatische Sprünge, nach denen sie sich bis zur Nasenspitze im Schnee vergruben. Den zweiten Teil der Schulung führte Gerhard Richter, zugleich auch alpiner Sportwart im Skigau Bayerwald durch. In verschiedenen Gruppen wurden folgende Themen ausgearbeitet, die vom Sportwart geleitet wurden:
Normen zur Sicherheit auf der Piste. Diese Regeln wurden kurz und verständlich aufgezeigt. Die Sicherheit im alpinen Skisport - was kann ich selbst dazu beitragen. Das funktionelle Skifahren bei den aktuellen Verhältnissen. Der Motivationsexperte im alpinen Skilauf - zeigt einige Möglichkeiten auf eine Gruppe von fortgeschrittenen Skifahrern zu begeistern. Was sind die Grundfunktionen im alpinen Skilauf.
Das Schifahrer-Können der Kursteilnehmer konnte dank der Schilehrer dann nochmals den ganzen Donnerstag verbessert werden. Beim anschließenden Basteln wurden der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Mit vorgegebenen oder freien Motiven wurden Medaillen aus Wellpappe und Moosgummi gebastelt. Dies inspirierte viele zu einzigartigen Motiven und Kunstwerken. Jede freie Minute der einzelnen Schigruppen wurde für die Vorbereitung des Abschlussabends genutzt. Einige Teilnehmer besuchten noch das „Spinnradl“. Beim Abschlussabend wurden die in Spitzing gewonnenen Eindrücke von den vier Schigruppen lustig dargeboten. Gestärkt durch die traditionellen Mitternachtswürstl wurde bis spät in die Nacht hinein durchgehalten. Bereichert mit einer Fülle neuer Eindrücke, versehen mit neuer Motivation und Ideen für die Jugendarbeit in ihren Vereinen traten die Chamer ÜbungsleiterInnen am Samstagmorgen die Heimreise an.
Die Spitzingteilnehmer konnten dank der Skilehrer ihr Können erheblich verbessern
• Herrlicher Tiefschnee bot sich den Sportlern • Beim Basteln zeigten die Kursteilnehmer ihre Kreativität
(Petra Schönberger - bsj Cham)
Der Jugendleiter als MotivationsexperteTheoretische und praktische Beispiele im alpinen Skisport waren die Themen bei der Mitarbeiterbildungsmaßnahme der bsj in Spitzing – Referent Gerhard Bellmann vom Ausbilderteam des Deutschen Skilehrerverbandes
Cham. In diesem Jahr stand bei der Fortbildungsmaßnahme der Bayerischen Sportjugend im Landkreis Cham in Spitzing das Thema: „Der Jugendleiter als Motivationsexperte“ im Mittelpunkt. Gerhard Bellmann vom Ausbilderteam des Deutschen Skilehrerverbandes erläuterte den Kursteilnehmern detailliert theoretische und praktische Beispiele „Vom Anfänger bis hin zum Kurvenfahrer“ im alpinen Skisport. Zu Beginn seines Vortrages informierte Bellmann die Teilnehmer über die drei Grundfunktionen des Schifahrens Belasten, Kanten, Drehen und deren Zusammenhänge.
Als erstes nannte der Referent die verschiedenen Belastungsformen wie Hoch-Tief, Vor-Rück oder links/rechts. Das Kanten veranschaulichte Bellmann an einigen Beispielen. Er zeigte Aktionen zum Drehen, wie Beine drehen, Ganzkörperdrehen und Blockdrehen auf. Es soll immer die Körperposition gewählt werden, die die notwendigen Aktionen für die Grundfunktionen Belasten, Kanten, Drehen optimal ermöglichen. Auch sollte man immer an die situative Anpassung denken, wie Richtung, Timing oder Dynamik. Wie man vom „Anfänger zum Kurvenfahrer“ wird war der nächste Punkt der Ausführungen. Zielsetzung war das methodische Vorgehen nach dem Ski-Lehrplan von den ersten Schritten bis hin zum Kurvenfahren zu vermitteln. Drei grundlegende Aufgaben wie das „Geradeausfahren“, „Kurvenfahren nahe der Falllinie“ und das „ausgeprägte Kurvenfahren“ wurden verstärkt angesprochen. Die Methodik hat keine Ausschließlichkeiten. Sie stellt einen roten Faden dar, der nach den Lernvoraussetzungen (z. B. Gelände, Schnee, Gerät, Schüler) differenziert und modifiziert werden muss. Bellmann erläuterte die vier Aufgabenkomplexe des Geradeausfahrens. Ziel ist es hier, selbst herauszufinden, welche Position auf dem Ski die günstigste ist. Grundsatz ist es, den Ski führen zu können. Jeder Lehrer weiß, dass es für den Einsteiger schwierig ist, das Gerät führen oder halten zu können. Allein die stabile Position am einfachen Hang ist schwierig: Das Gerät dreht, wenn man es nicht will, geht auf die Kante oder nicht, rutscht nach hinten und nach vorne oder die Ski überkreuzen. Beispielhafte Aufgaben hierzu sind das Geradeaus fahren ohne Stöcke oder Geradeaus fahren und die Abstände der Ski verändern und gleich halten.
Wenn man dann die richtige Körperposition gefunden hat und das Gerät führen kann, ist man in der Lage, besser zu gleiten. Besser gleiten bedeutet, dass man ohne zusätzliche Korrektur durch Körperbewegungen schnell zu einem vorgegebenen Ziel kommt. Besser gleiten heißt aber auch, dass man möglichst auf dem Ski plan fährt. Eine Aufgabenstellung für den Betreuer könnte hier Hockegleiten aber auch Gleiten im Wechsel, Vor- bzw. Rücklage sein. Die Arme können dabei als Stabilisator und Bewegungshilfe eingesetzt werden. Nicht selten glaubt man, dass es am günstigsten ist, die Arme möglichst ruhig vor dem Körper zu halten. Dies ist natürlich nicht grundsätzlich falsch. In dieser Position übernehmen die Arme die Funktion als Stabilisator. Es kann aber auch notwendig werden, die Arme zu bewegen, um eine bestimmte Lage zu stabilisieren.
Das Kurvenfahren nahe der Falllinie konnte man über zwei Aufgabenkomplexe erarbeiten. Die Bedeutung des Auf- bzw. Umkantens stellte Bellmann über Powerpoint-Präsentation dar. Beim Kurvenfahren nahe der Falllinie ist es wichtig, dass man bei den ersten Aufgaben darauf achtet, dass man wirklich nahe der Falllinie bleibt. Der Lehrer neigt dazu, die Spur zu sehr von der Falllinie weg anzulegen. Beim Kurvenfahren nahe der Falllinie reicht es meistens aus, mit einer Fußbewegung zu arbeiten. Durch Fußkippen bzw. Fußgelenk beugen und strecken wird das Gerät auf- und umgekantet. Der Referent zeigte theoretische Übungen auf, das Auf- und Umkanten fließender und rhythmischer auszuführen. Mit zunehmender Übung wird der Schüler sicherer und mutiger. Das Auf- und Umkanten geschieht schneller, er ist in der Lage, sensibler mit der Bewegung umzugehen.
Welche Übungen sinnvoll sind, um ein „ausgeprägtes Kurvenfahren“ zu erarbeiten, erwähnte Bellmann folgende Punkte. Durch schnelleres und umfangreicheres Bewegen die Vergrößerung der Abweichung von der Falllinie verspüren, die Belastung und Belastungswechsel sicherer ausführen und durch Drehen ausgeprägteres Kurvenfahren verstärken. Wird das Gelände noch steiler und das Tempo höher, reicht das Belasten und Kanten nicht mehr aus. Man muss die Schier auch noch drehen. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen. Vorausdrehen, Mitdrehen (mit dem ganzen Körper) und Beinedrehen sind diverse Möglichkeiten, die alle die Abweichung von der Falllinie verstärken. Auf jeden Fall handelt es sich immer um ein aktives Drehen, es wird der Körper dabei eingesetzt.
Bellmann verwies als Nachschlagewerk. auf die Literatur „Ski-Lehrplan Basic“ herausgegeben vom Deutschen Verband für das Skilehrwesen e. V. Aber alles in allem soll der Übungsleiter Motivationsexperte sein. Ein guter Lehrer muss die Gruppe zusammenhalten und das Ski Fahren soll Spaß machen. Bellmann gab den Übungsleiter/innen, die ehrenamtlich mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen arbeiten, einige Tipps wie sie motivierend auf die Gruppe wirken. So soll der Betreuer positiv denken und handeln, den Teamgeist wecken und begeisternd unterrichten, sowie fachlich und kompetent arbeiten. Er soll dabei freundlich, geduldig und verständnisvoll übermitteln. Auch Erlebnis, Leistung, Natur und Geselligkeit darf nicht fehlen. Schifahren soll ein soziales Gruppenerlebnis in einer lockeren Atmosphäre sein, so Bellmann.
stv. bsj Vorsitzende Diana Seebauer dankte dem Referenten Gerhard Bellmann für seine interessanten Ausführungen
(Petra Schönberger - bsj Cham) |
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Upd2005-02-10 |
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