Es war spitze in Spitzing

 

Traditioneller Spitzing-Aufenthalt der Sportjugend Cham - Viel Abwechslung in Theorie und Praxis / Rhetorik groß geschrieben

 

Cham. Die Bayerische Sportjugend (bsj) des Landkreises Cham lud auch heuer wieder Verantwortliche für Jugendarbeit im Verein zu der schon traditionellen Mitarbeiterschulung nach Spitzingsee ein. Vom 26. Januar bis 01. Februar bildeten sich 50 Übungs- und Jugendleiter aus dem gesamten Landkreis Cham fort. Hubert Lauerer, Vorsitzender der bsj, Lehrgangsleiter Rainer Schmid, sowie die Mitglieder der Kreisjugendleitung Diana Seebauer, Bernhard Altmann, Petra Schönberger und Birgit Daschner boten den Sportlern wieder ein abwechslungsreiches, interessantes aber vor allem auch ein lehrreiches Wochenprogramm an.

 

Diesmal wurden die Teilnehmer am ersten Tag mit „Schnitzel mit Pommes“, anstatt der obligatorischen „Schinkennudeln mit Tomatensoße“ überrascht, da man heuer zum ersten Mal das „Erlebnishaus“ gebucht hatte. Und gleich vorweg: Dies erwies sich als absoluter Volltreffer. Keiner der Teilnehmer trauerte am Schluss dem jahrelang gewohnten BLSV-Heim nach.

 

Im Rahmen des Abendprogrammes „Kennenlernspiele“ stellte sich die bsj-Mannschaft in moderner Form gegenseitig vor. Anschließend waren die einzelnen Vereinsvertreter an der Reihe. Diana Seebauer wählte als Möglichkeit der Vorstellung das Interview-Spiel „who is who“ aus. Im Zufallsverfahren fanden sich die Teilnehmer mit Hilfe von Karten zu Interview-Pärchen zusammen und stellten sich danach  gegenseitig vor. Als weiteren Programmpunkt des Abends wurden die „Neuzugänge“ mit der „Spitzingtaufe“ in die Gemeinschaft der „Spitzing-Pilgerschaft“ aufgenommen.

 

Die Teilnehmer wurden anschließend in Gruppen eingeteilt und mussten gemeinsam eine Fragebogen bearbeiten, der Information über das Spitzinggebiet, die Lehrgangsteilnehmer, die allgemeine Jugendarbeit und über die bsj enthielten. Eine Quizgruppe schaffte es sogar die Gesamtgröße der mitgereisten Kreisjugendleitung bis auf einen Zentimeter genau zu errechnen (die mitgereiste bsj-crew misst miteinander 1052 Zentimeter). Nach der Auswertung wurde eine Siegerehrung durchgeführt. Als Preise gab es für die einzelnen Teams „Gselchts, Käs und Brot“, dass dann gemeinsam als Mitternachtsimbiss verzehrt wurde.

 

Am Montagmorgen fanden sich die 50 Teilnehmer in den verschiedenen Leistungsgruppen ein und wurden durch die erfahrenen Skilehrer Gerhard Richter, Manfred Dietl, Josef Daschner, Birgit Daschner und Werner Schell hervorragend betreut. Die Sportpraxis für die Sportbegeisterten aus dem Landkreis Cham bestand hauptsächlich aus alpinen Skifahren. Dabei meinte es der Wettergott mit den Chamern zunächst nicht besonders gut. Schneefall, Regen, Wind und Nebel machten das Skifahren am Montag nicht gerade zu einem Vergnügen. Trotz der widrigen Wetterumstände konnte niemand die Sportler aus dem Landkreis Cham von den Pisten fernhalten.

 

Die durchnässten Teilnehmer konnten sich dann beim Basteln ihrer Kreativität freien lauf lassen. Beim Thema „Dekoration eines T-Shirts mit Textilfarben“ durfte sich jeder Teilnehmer ein Motiv aus einer Reihe von Vorlagen auswählen oder hatte die Möglichkeit, selber eins zu gestalten. Dies inspirierte viele zu kreativen Motiven und Kunstwerken.

Nach einem sehr stürmischen Dienstag auf der Piste führte am Nachmittag Frau Dr. Cornelia Wolfgruber, Rhetoriktrainerin aus München, in das Schwerpunktthema „Rhetorik als praktische Logik“ ein (siehe eigener Bericht) „Ein guter Rhetor kann doch raffinierteste und schwierigste Sachen so bringen, dass es jeder frisst. Er kann durch Aufbau und Klarheit schwierigste Themen wirkungsvoll, sinnvoll so bieten, da wiederholen - da wiederholen - da beleuchten, so dass es ein jeder nach Maß versteht: die Fachleute bewundern, die Laien kapieren.“ (Hanns-Peter-von Bomhard)

 

Der erste Abend endete mit einer Videovorführung, unter anderem über das Flirt-Verhalten eines Eheberaters, nachdem Gerhard Richter mehrmals die Frage nach dem richtigen Blickkontakt in Rede- und Flirt-Situationen an die Trainerin Cornelia Wolfgruber zum Amüsement der anderen gestellt hatte. Alle Teilnehmer waren von diesem Kurs begeistert und verabschiedeten die Referentin mit viel Applaus.

 

Der Mittwoch begann wieder mit Sportpraxis auf den Pisten von Spitzing. Sonne und Schneefall wechselten sich ab. Am Nachmittag und Abend stand die Fortführung der Rhetorikschulung auf dem Programm. Viele Skigruppen nutzten anschließend noch  die Zeit, um sich auf den anstehenden Abschlussabend vorzubereiten. Hier steckt schon viel Arbeit dahinter, um dabei möglichst ein gelungenes Thema zu präsentieren.

 

Am Donnerstag morgen rief auch schon wieder die Piste und alle folgten dem Ruf. Ein weiterer Höhepunkt war abends die Fackelwanderung zur Lyra-Alm. Zu Fuß machten sich die LehrgangsteilnehmerInnen durch die wunderschön tief verschneite Landschaft des Spitzingsseegebietes auf den Weg. Informiert und belehrt über die Sicherheitsvorkehrungen und die Aufsichtspflicht traten sie dann zu späterer Stunde den Rückweg an.

 

Beim Abschlussabend am Freitag ließen dann die verschiedenen Skigruppen ihrer Kreativität noch einmal freien Lauf und trugen mit ihren gelungen Beiträgen, wie „Ein Geschenk für wen?“, „Der Chamer Marktplatzbrunnen“, „Miss Spitzing“, „Rethorikseminar“, „Nichts als die Wahrheit“ oder „Spitzingballett“ zu einer großartigen Unterhaltung bei.

Bereichert mit einer Fülle neuer Eindrücke, versehen mit neuer Motivation und neuer Erfahrungen und Ideen für die Jugendarbeit in ihren Vereinen traten die Chamer ÜbungsleiterInnen am Samstag morgen des 01. Februars die Heimreise  an. 

 

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Bildtext:

Über 50 Sportlerinnen und Sportler wurden im alpinen Skifahren geschult

Beim Basteln ließen die Teilnehmer ihrer Kreativität freien Lauf

Skifahrgruppe von Birgit Daschner

 

(Petra Schönberger)


 

Das "1 x 1 der Rhetorik" oder "Der Ton macht die Musik"

CHAM. In diesem Jahr stand bei der bsj-Fortbildungsmaßnahme in Spitzing eine Rhetorikschulung im Mittelpunkt.
Am Nachmittag führte Frau Dr. Cornelia Wolfgruber, Rhetorik- und Management-Trainerin aus München, in das Schwerpunktthema "Rhetorik als praktische Logik" ein: "Ein guter Redner kann doch raffinierteste und schwierigste Sachen so bringen, dass es jeder frisst. Er kann durch Aufbau und Klarheit schwierigste Themen wirkungsvoll, sinnvoll so bieten, da wiederholen - da wiederholen - da beleuchten, so dass es ein jeder nach Maß versteht: die Fachleute bewundern, die Laien kapieren." (Hanns-Peter-von Bomhard)

Nach der Vorstellungsrunde wählten sich die TeilnehmerInnen aus den sechs Gebieten Körpersprache, Lampenfieber, Verständlichkeit, Rede, Argumentation und Diskussion, das Thema aus, dass sie persönlich am meisten interessierte. Dr. Wolfgruber verteilte nun konkrete Arbeitsaufträge, die die Teilnehmer in Gruppenarbeit bearbeiteten.

Anschließend brachten die Seminarteilnehmer ihre Ergebnisse zur Aufführung. Wolfgruber analysierte und bewertete die Ergebnisse, gab Tipps und beleuchtete die angesprochenen Situationen mit Hintergrundwissen.

 

Nachdem ein Themenblock praktisch aufgearbeitet war, stellte Wolfgruber allen Teilnehmern  verschiedene Ansätze aus der Rhetorikforschung vor. Dabei bereicherte sie ihren Vortrag immer wieder mit praktischen und konkreten Beispielen.

Nach den praktischen Übungen in der Gruppe veranschaulichte Frau Dr. Wolfgruber auf Folien die näheren Zusammenhänge der einzelnen Komponenten der Rhetorik. Zum Erstaunen der Teilnehmer wurde festgestellt, dass nicht Fachwissen oder Kompetenz über den ersten Eindruck entscheiden, sondern wie man sich präsentiert. Denn nach nur 30 Sekunden hat sich unser Gegenüber ein Urteil über uns gebildet. Daraus resultiert, dass der erste Eindruck des Redners stimmen sollte. Generell sollte man sich dem Anlass entsprechend kleiden, sich eine gepflegte und qualitativ hochwertige Garderobe zulegen sowie seinem individuellen Stil und Wohlbefinden Rechnung tragen.

Danach gab die Trainerin wichtige Tipps zum besseren Vortrag einer Rede. Angefangen von Karteikarten als Gedankenstütze wurden die verschiedensten Möglichkeiten eines Redeeinstiegs wie Direkt-, Aufhänger-, Denkreiz- und Direkt-Technik  bis hin zum richtigen Redeabschluss erläutert.

 

Ein weiterer wichtiger Grundsatz  ist, dass man mit der Körpersprache seine Aussage unterstreichen, variieren oder ersetzen kann. Das Unterstreichen verstärkt bspw. eine Aussage, so dass sie klar und eindeutig wird. Diese Einheit endete mit einer Videovorführung, bei der man in verschiedenen Filmsequenzen das bisher Erfahrene vertiefen konnte.

Im nächsten Block mussten einige TN zu vorgegebenen Themen eine Rede halten.

Genauestens wurden Gestik, Mimik, Körpersprache, Stimmmodulation etc. analysiert und bewertet.

 Signalisieren Arme, die hinter dem Rücken verschränkt werden – je nach unterschiedlicher Höhe der festhaltenden Hand – , eine selbstsichere oder gar arrogante bis aggressive Haltung?

In der Diskussionsrunde herrschte Uneinigkeit; letztendlich konnte man sich auf prinzipielle Bedeutungen der Körpersprache einigen, die jedoch immer im individuellen Gesamtkontext zu deuten seien. Auf jeden Fall ist es ratsam, bei der Frage ‚Wen spreche ich an?’, die Körpersprache des anderen zu beachten: Die Person, die gerade die Arme verschränkt hat und abweisend schaut ist sicherlich nicht die kommunikationsfreudigste!

Und wer bei einer Diskussion seine Worte gestisch unterstreicht mit einem zu einem O zusammen gelegten Daumen und Zeigefinger, wird nicht so leicht von seiner Meinung abzubringen sein: „Das geht in Ordnung“, signalisiert er einem aufmerksamen Beobachter der Körpersprache damit. Besser, man legt hier eine Pause ein und versucht einen neuen Diskussionsansatz! Nächster Programmpunkt waren die Versuche von immer zwei Teilnehmern sich gegenseitig mit Argumenten zu überzeugen.

Die Argumentationsübungen waren sowohl amüsant von der Darstellung, als auch lehrreich von ihren Taktiken her.

Fazit: Wenn faktische Argumente nichts mehr fruchten, sucht man Zuflucht bei den taktischen: Man geht dann in Ton und Inhalt entweder ‚über’ das vorangegangene Argument: z.B. ‚ich habe für dich ein viel tolleres Geschenk’ oder – mit ein wenig Ironie – ‚darunter’.

 

Zum Abschluss der Gruppenarbeiten stellte eine Gruppe der TN eine Diskussionsrunde zum Thema „Alkohol bei Jugendveranstaltungen“ szenisch nach. Ausgewählte Beobachter analysierten genau das Verhalten der einzelnen Diskussionsteilnehmer.

Zum Schluss gab die Trainerin Dr. Cornelia Wolfgruber den TeilnehmerInnen noch zehn rhetorische Tipps und Tricks,immer angereichert mit praktischen Beispielen,  mit auf den Weg:

  1. Das Wichtigste zuerst!

  2. Offene Körperhaltung öffnet die Anderen!

  3. Lass die anderen an dir teilnehmen, damit sie sich identifizieren können: Hintergrundinformation!

  4. Ich-Botschaften sind in, Du-Botschaften sind out!

  5. Sicherer Stand bei RednerInnen vermittelt Glaubwürdigkeit

  6. Schnelle und ausführliche Beantwortung von Fragen vermittelt Kompetenz

  7. Gespräche im 90 Grad Winkel führen

  8. Meine Feinde sind meine besten Freunde und deshalb sitzen sie in der Diskussion neben mir!

  9. Charisma: Ich bereite anderen eine Freude und freue mich darüber!

  10. In der Kürze liegt die Würze!

 

Mit einem freundschaftlichen Küsschen sowie bsj-T-Shirt, bsj-Tasse und bsj–Mütze wurde Cornelia Wolfgruber schließlich von dem Vorsitzenden der bsj, Hubert Lauerer, unter dem Beifall der TeilnehmerInnen verabschiedet.

 

(Petra Schönberger - bsj Cham)

 

 

 

zu den Berichten 2003

Upd2003-04-17