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Sportjugend in Bewegung
Biomechanische Grundprinzipien und Bewegungsschulung im Blickpunkt / Traditioneller Spitzing-Aufenthalt der Sportjugend / Viel Abwechslung in Theorie und Praxis
Cham. Die Bayerische Sportjugend (bsj) des Landkreis Cham lud auch heuer wieder Verantwortliche für Jugendarbeit im Verein zu einer schon traditionellen Mitarbeiterschulung nach Spitzingsee ein. Vom 20. bis 26. Januar 2002 bildeten sich 50 Übungs- und Jugendleiter aus dem gesamten Landkreis Cham fort. Hubert Lauerer, Vorsitzender der bsj, Lehrgangsleiter Rainer Schmid, sowie die Mitglieder der Kreisjugendleitung Diana Seebauer, Peter Hickl, Bernhard Altmann und Birgit Daschner boten den Sportlern wieder ein abwechslungsreiches, interessantes und lehrreiches Wochenprogramm im BLSV-Jugendheim in Spitzing.
Nachdem Lauerer die Teilnehmer am Anreisetag beim Abendessen (mit den schon obligatorischen Schinkennudeln mit Tomatensoße) begrüßt hatten, stellte Bernhard Altmann die bsj-Crew in Form einer „gespielten“ Sitzung im Kaminzimmer vor. Anschließend waren die einzelnen Vereinsvertreter an der Reihe, sich unter der Anleitung von Diana Seebauer gegenseitig anhand von Wäscheklammern, welche die Namen bekannter Paare wie Max und Moritz oder Romeo und Julia trugen, bekannt zu machen. Die Teilnehmer wurden anschließend in Gruppen eingeteilt und mussten gemeinsam einen Lückentext bearbeiten, der Informationen über das Spitzinggebiet, die Unterkunft und die Lehrgangsteilnehmer enthielt. Nach der Auswertung wurde eine Siegerehrung durchgeführt. Als Preise gab es für die einzelnen Teams „Schweinshaxn, Gselchts, Käs oder Brot“. Als letzter Programmpunkt des Abends wurden die „Neuzugänge“ mit der „Spitzingtaufe“ in die Gemeinschaft der „Spitzing-Pilgerschaft“ aufgenommen.
Die Sportpraxis für die Sportcracks aus dem Landkreis Cham bestand hauptsächlich aus alpinem Skifahren. Dabei meinte es der Wettergott mit den Chamern zunächst nicht besonders gut. Strömender Dauerregen machte ein Skifahren am Montagmorgen unmöglich. Flexibel wurde der Vormittag mit Unterricht gefüllt und Nachmittags ging es dann auf die Piste. Allerdings waren die Schneeverhältnisse aufgrund des vorausgegangenen Regens nicht optimal, so dass die Skigruppen während des Lehrgangs bei schwierigen Pistenverhältnissen extrem gefordert waren, ihr erworbenes bzw. aufgefrischtes Können unter Beweis zu stellen. Die insgesamt 50 Teilnehmer waren in verschiedene Leistungsgruppen eingeteilt und wurden durch die erfahrenen Skilehrer Jörg Willimayer, Gerhard Richter, Manfred Dietl, Josef Daschner, Werner Schell und "Bäbbäb" Josef Aschenbrenner hervorragend betreut.
Christian Maier, Studienrat für Mathematik und Sport eröffnete dann am späten Montagnachmittag die Schwerpunktthematik. Der Referent, der auch als Akrobatiklehrer tätig ist, gab mit einem einstündigem Theorieblock zu den biomechanischen Grundprinzipien aus der Bewegungslehre die Grundlagen für die weitere praxisorientierte Arbeit vor. Nach dem Abendessen folgte eine praktische Fundierung. Dabei wurden in erster Linie akrobatische Grundfertigkeiten in den Mittelpunkt gestellt (siehe eigener Bericht unten). Am Dienstag stand wiederum die Schulung in den einzelnen Skigruppen auf dem Programm, diesmal aber bei Sonnenschein pur. Christian Maier vertiefte dann in einem weiteren Theorieteil die gewonnenen Erkenntnisse des Vortages. Zudem waren die Teilnehmer gefordert in Gruppenarbeit die biomechanischen Grundprinzipien auf ausgewählte Sportarten (Eisstockschießen, Alpiner Skilauf, Fußball, Karate und Tischtennis) zu übertragen. In Einzelreferaten wurden die Ergebnisse dann dargestellt und ausgewertet. Zum Abschluss begeisterte Christian Maier die Teilnehmer mit praktischen Beispielen aus der Akrobatik. Mit langanhaltendem Applaus wurde er dann von der stellv. Vorsitzenden der KJL Diana Seebauer verabschiedet.
Am Mittwoch fand die Skischulung im Taubensteingebiet statt. Ein weiterer Höhepunkt war dann die Fackelwanderung zur Wurz-Hüttn. Zu Fuß machten sich die Lehrgangsteilnehmer durch die wunderschöne Landschaft des Spitzingseegebietes auf den Weg. Informiert und belehrt über die Sicherheitsvorkehrungen und die Aufsichtspflicht traten sie dann zu späterer Stunde den Rückweg an.
Der Donnerstag wurde dann bei sehr guten Pistenverhältnissen für die alpine Schulung voll ausgenutzt. Am Abend referierte der Krankenpfleger Alois Pongratz über die Grundlagen der Ersten Hilfe und gab den Teilnehmern wertvolle Tipps für das Verhalten bei Unfällen jeglicher Art. Anschließend stand noch Basteln auf dem Programm. Unter der fachkundigen Leitung von Peter Hickl wurden die Lehrgangsteilnehmer in die Serviettentechnik eingeführt. Dabei wurde der Kreativität der Teilnehmer freier Lauf gegeben. Einige erwiesen sich als wahre Künstler. Mit verschiedenen Motiven und Ideen entstanden großartige Einzelstücke. Einige Teilnehmer nutzten dann zu späterer Stunde noch die Gelegenheit zu einem Besuch im „Spinnradl“.
Am Freitagvormittag wurde letztmals in den einzelnen Skigruppen geschult. Am Nachmittag stand dann das Abschlussrennen auf dem Programm. Hierbei setzte sich in überlegener Manier das „bsj-Team“ in der Besetzung Hickl, Altmann, Seebauer, Daschner und Lauerer durch und verwies die anderen Mannschaften auf die Plätze.
Beim zünftigen Abschlussabend ließen die verschiedenen Skigruppen ihrer Kreativität noch einmal freien Lauf und trugen mit gelungenen Beiträgen wie „Spitzinggeheimnis“, „Busen“, „Das versteckte Klassenzimmer“, „Spitzinggarde“, zu einem großartigen letzen Abend in Spitzing bei.
Bereichert mit einer Fülle neuer Eindrücke, versehen mit neuer Motivation und neuen Erfahrungen für die Jugendarbeit in ihren Vereinen traten die Chamer Übungsleiter am Samstagmorgen des 26. Januar die Heimreise an.
Biomechanische Prinzipien und ihre Anwendung in der Akrobatik
Nach der letztjährigen, erfolgreichen Aufarbeitung der trainigswissenschaftlichen Inhalte stand in diesem Jahr bei der bsj-Fortbildung in Spitzing ein sportwissenschaftliches Thema aus dem Bereich der Bewegungslehre im Mittelpunkt - die Biomechanik.
An zwei Nachmittagen und Abenden wurden, ausgehend von physikalischen und biomechanischen Grundbegriffen, vom Referenten Christian Maier die biomechanischen Prinzipien, die die Grundlage der trainingsrelevanten Analyse von sportlichen Techniken aus allen Sportarten bilden, sowohl theoretisch als auch praktisch anhand von vielfältigen Beispielen und Anwendungen aus verschiedensten Sportarten aufbereitet. Nach der Klärung von Begriffen wie Rotation, Translation, Winkelgeschwindigkeit, Impuls, etc. gab es einen kleinen Exkurs in die Axiome von Isaac Newton, die die Grundlage der biomechanischen Betrachtung sportlicher Techniken bilden. Erläuterungen zu Gesetzmäßigkeiten des Körperschwerpunkts, der Standfestigkeit und des Gesetzes der vorgedehnten Muskeln vermittelten ein stabiles Fundament zur Betrachtung der wichtigsten sportrelevanten biomechanischen Prinzipien, die sich mit dem optimalen Beschleunigungsweg, mit Kinetion und Modulation, mit der maximalen Anfangskraft, mit dem Drehrückstopp, Gegenwirkung oder Impulserhaltung beschäftigen. Ziel der Anwendung dieser Gesetzmäßigkeiten ist sportlich dabei meist das Erreichen einer hohen bzw. optimalen Endgeschwindigkeit des Gesamtkörpers bzw. von Körperteilen oder von Geräten.
Nach drei abwechslungsreichen Theorieeinheiten folgte am zweiten Abend die selbständige, biomechanische Analyse einzelner Sportarten durch die Teilnehmer in kleinen Gruppen. Die sich anschließenden Kurzpräsentationen machten die Bedeutung der Biomechanik nochmals eindrucksvoll bewusst. Die engagiert vorgetragenen Beschreibungen und Erklärungen boten eine Bereicherung für alle Anwesenden mit interessanten Einblicken in nicht ganz übliche Sportarten wie Karate oder Eisstockschießen. Abgerundet wurden die Analysen jeweils durch sich anschließende Nachbereitungen durch den Referenten und weiteren Fragen aus dem Kreis der Teilnehmer.
Obwohl das Thema naturwissenschaftlich fundiert war und bei einigen Teilnehmern sicher auch die ein oder andere Erinnerung an den Physikunterricht der Schulzeit mit mehr oder weniger guten Erlebnissen geweckt haben wird, waren sich Leitung, Teilnehmer und Referent einig, dass es durchaus lohnend war, sich mit diesem anspruchsvollen Thema zu beschäftigen. Als weitere praxisrelevante Abwechslung schlossen sich an die Vorträge jeweils Akrobatikeinheiten an, die nicht nur dem erweiterten Verständnis biomechanischer Grundlagen dienten, sondern zugleich für viel Spaß und Entspannung sorgten. Die Wiederholung von Übungen aus dem Vorjahr wie das Stehen auf den Oberschenkeln eines Partners oder das „schwebende Brett„ verblüfften aufs Neue und neue Hebe- oder Wurfübungen sowie der „Wurm„ oder der „Flieger„ fanden den Gefallen der Teilnehmer, so dass trotz vollem Programm am Tage bis spät in den Abend geübt wurde. |
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Upd2003-02-07 |
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