Selbstverteidigung

 

Cham (cdk). Einen Schnupper-Kurs zur Selbstverteidigung für Mädchen und Frauen bot am vergangenen Wochenende die Bayerische Sportjugend Cham (bsj) an und traf damit auf Grund der starken Beteiligung anscheinend genau die Interessen des sogenannten „schwachen Geschlechts“.

 

 

Der Vorsitzende Hubert Lauerer zeigte sich erfreut, in der Schulturnhalle in Pösing eine große Anzahl interessierter Frauen begrüßen zu dürfen. Mit Verweis auf die jüngsten Ereignisse betonte er, dass Mädchen und Frauen nicht früh genug mit Selbstverteidigung vertraut gemacht werden und durch die erfahrenen Referenten Einblick in die Möglichkeiten der Verteidigung bekommen sollten.

 

Hauptreferent in Theorie und Praxis war Gerhard Himmel, Hauptkommissar bei der PI Roding, das Auf- und Abwärmen übernahm Karl Schmidt, der seit 23 Jahren beim TB 03 Roding aktiv Kampfsport betreibt. Anton Jellen von der Karate-Abteilung des TSV Pösing stand mit Rat und Tat zur Seite.

 

 

Im ersten Teil des informativen Nachmittags lernten die Mädchen und Frauen, wie man sich aus einem einfachen, aber kraftvollen Griff am Arm befreit, zum einen um sich so wenig wie möglich zu verletzen, zum anderen um so schnell wie möglich wieder abwehrbereit zu sein. Nach einer Fallschule wurde demonstriert, wie man, am Boden liegend in Abwehrstellung, möglichst schnell wieder auf die Beine kommt. Ebenso wurde die Verteidigung bei einem Würgegriff oder einer Umklammerung von hinten stehend, aber auch liegend gezeigt. Der erste Schritt der Verteidigung, so Gerhard Himmel, sei eine klare und bestimmte Aufforderung, das Festhalten oder ähnliches zu lassen. Kommt der Angreifer dieser verbalen Abwehr nicht nach, sei ein Tritt gegen das Schienbein fürs erste das Wirkungsvollste.

 

Das weitere Vorgehen bestehe dann darin, den Täter mit den Fingern in die Augen zu stoßen oder, im äußersten Fall, mit einem gezielten Faustschlag auf den Kehlkopf niederzustrecken. Sowohl ein gezielter Faustschlag als auch das Stechen in die Augen müsse mit äußerster Kraft ausgeführt werden.

 

 

Allerdings muss man sich dabei im Klaren sein, dass ein Kehlkopfschlag zumeist tödlich endet und somit ein Totschlagsdelikt gegeben ist. Dieser juristischen Folgen müsse man sich bewusst sein. Daher bleibt es unausweichlich,  die Gefahrensituation richtig einschätzen zu lernen.

 

Nach einer Kaffeepause, bei der die Bayerische Sportjugend (bsj) die Teilnehmerinnen mit Kuchen und Obst verköstigte, klärte der Hauptkommissar in groben Zügen die rechtliche Seite der Notwehr. Ferner wies er darauf hin, dass beispielsweise sexuelle Übergriffe laut Statistik zum Großteil im Freundes- und Bekanntenkreis stattfänden. Auch die Tatorte lägen hauptsächlich im privaten Bereich (Wohnungen etc.), seltener an öffentlichen Stellen (Tiefgaragen usw.). Sollte man aber tatsächlich an einem gut frequentierten Ort belästigt oder verfolgt werden, müsse man einen Helfer direkt ansprechen, denn bei einer nur allgemeinen Aufforderung fühle sich oftmals niemand fähig, Hilfe zu leisten.

 

 

Aufgrund dieser Tatsache, dass Täter häufig bekannte Personen sind, sei es dringend notwendig, frühzeitig Grenzen abzustecken und klar und deutlich seine Ablehnung zu artikulieren. Ohnehin sei eine feste und bestimmende Tonlage der erste Schritt der Verteidigung, die den Täter vielleicht schon zur Aufgabe bewegt. Weitere Verteidigungsmittel sollten Gegenstände sein, die ein Täter nicht gegen das Opfer selbst richten könne. Gerhard Himmel bezeichnete auch alltägliche Gegenstände wie einen Schlüsselbund als hilfreich, da man die Schlüssel zu einer Art Schlagring umfunktionieren könne. Insgesamt lässt sich sagen, dass grundsätzlich alle möglichen Mittel zu seiner Verteidigung angewendet werden können. Allerdings soll jedes Verteidigungsmittel mit aller Kraft eingesetzt werden und nicht zu zögerlich.

 

Den Abschluss des Crash-Kurses bildete neben dem sogenannten "Pratzentraining", bei dem die Teilnehmerinnen Fußstöße beispielsweise zwischen die Beine eines möglichen Angreifers üben konnten, eine Meditation. Jeder müsse, so der Tenor der Referenten, für sich die beste Abwehr finden. Unablässig sei es allerdings, Griffe und Abwehrtechniken zu automatisieren. Ratsam wäre es, sich immer wieder Kursen zu unterziehen und privat oder in Gruppen für den Notfall zu trainieren.

 

 

Die Ereignisse in Schulen (Vergewaltigung in einer Münchener Grundschule), aber auch im privaten Bereich zeigten, dass Selbstverteidigung nicht früh genug gelernt werden könne und man sich möglichst frühzeitig mit Abwehrtechniken vertraut machen sollte. Zur eigenen Sicherheit, aber auch als Verteidiger für andere sei eine Ausbildung in Selbstverteidigung in unserer dekadenten Gesellschaft für Mädchen und Frauen schon fast Notwendigkeit.

 

 

 

 

 

zu den Berichten 2002

Upd2003-02-07