Ein Minidrachen für japanische Gastgeber

 

18 Jugendliche aus dem Landkreis Cham zu Gast in Japan - Unvergleichliche Eindrücke

 

Cham. Auf dem Boden schlafen, im Sitzen duschen und Toilettenbesuch in Hockstellung - was bei uns vielleicht bei einem Zeltlager schon ungewöhnlich ist, gilt in Japan selbst in einem Nobelhotel als normal. Beeindruckende und unvergessliche Erlebnisse sammeln derzeit 18 Jugendliche der Bayerischen Sportjugend (bsj) aus dem Kreis Cham mit ihren beiden Betreuern Sepp Daschner, Geigant, und Peter Hickl, Furth im Wald, die seit 29. Juli auf Gegenbesuch in Gifu in Japan weilen. Erste Eindrücke ließen sie uns per E-Mail zukommen.

 

Zunächst haben sich alle an die derzeit dort herrschende Hitze gewöhnt und sind, so teilen sie mit, wohlauf. Die japanischen Gasteltern sind äußerst freundlich und hilfsbereit, manche Familien sogar traurig, dass nicht alle einen deutschen Jugendlichen beherbergen konnten. So wurden in der zweiten Woche des Aufenthalts mit tränenreichen Abschiedsszenen die Familien gewechselt.

 

Für Langeweile bleibt den Deutschen in Japan keine Zeit. So unternahmen sie einen fünftägigen Ausflug nach Noto. Nach einer Tempelbesichtigung ging es in eine Teeschule, in der Besucher aus der ganzen Welt die Zubereitung des Tees und die Trinkzeremonien erlernen können. Nach einer ausgiebigen Reinigung und Vorbereitung galt es durch ein Schlupfloch in einen Raum mit Gefäßen und Statuen vor einem Altar zu kriechen, immer wieder Verbeugungen zu vollziehen und das von einer Nonne servierte, übersüße Kuchenstück zu verzehren, damit man den bitter schmeckenden Tee genießen konnte. All dies verlief unter äußerster Ruhe und Andacht, ohne jegliche Hektik.

 

In Ogaki ließ sich die Gruppe bei einer Samurai-Ausstellung in die Zeit der großen Samuraikriege zurückversetzen. In abgedunkelten Zelten tasteten sich die bsjler durch ein Labyrinth von lebensgroßen Figuren, Pferden und Soldaten. Einige Spaßvögel unter den Angestellten ließen mit Toneffekten die Ausstellungsbesucher immer wieder aufschrecken.

 

Beim Besuch in der Mittelgebirgsstadt Wara, dem geographischen Mittelpunkt Japans mit bis zu 60 cm langen Salamandern im sauberen Gebirgsfluss, erwiesen sich die Chamer als ausgezeichnete Botschafter des Landkreises. Die Gruppe erfuhr dort, dass unter den Salamandern vor 1000 Jahren der Teufel gelebt hatte (ein ausgestellter Totenschädel mit zwei gewachsenen Hörnern und übergroßen Zähnen sollte der Beweis dafür sein). Beim Empfang des Bürgermeisters stellten sie mit ihrem Gastgeschenk, einem Minidrachen aus Furth, Parallelen dazu her, konnten aber das Stadtoberhaupt nicht davon überzeugen. Er blieb dabei: Der Further Drache ist eine Sagenfigur, der Teufel in Wara habe aber tatsächlich gelebt, wurde von 2000 Soldaten des Kaisers gejagt und hat sich, angeschossen, im tiefen Wald selbst das Leben genommen, wie 1000 Jahre alte Aufzeichnungen in der Kaiserstadt belegen.

 

Beim Besuch einer Mittelschule wurden die Chamer wieder in die Realität zurückgeholt, konnten dabei aber auch Praxiserfahrung im Kuchenbacken sammeln. Auch bei dem abendlichen traditionellen Trommelfest, auf dem sie einen Ehrenplatz einnahmen, führten sie nach den obligatorischen Begrüßungsreden und dem Austausch von Gastgeschenken bayerische Tänze (Zillertaler Hochzeitsmarsch, Kikeriki) und Lieder auf und eroberten sich damit die Herzen ihrer Gastgeber. Nach einem Familientag folgte der Empfang im Pressezentrum Gifus. Josef Daschner als Chef der bayerischen Reisegruppe war mit einem Live-Interview auf Sendung, die dortige Tageszeitung gestaltete eine eigene Seite mit den bayerischen Gästen und veröffentlichte in ihrer Abendausgabe ein Gruppenbild von ihnen. Allerdings konnten die Gäste aus Bayern die japanischen Schriftzeichen und damit den Inhalt natürlich nicht entziffern.

 

Heimatliche Gefühle befielen die Gruppe wieder nach einer Schlossbesichtigung in Hikone beim Besuch einer Brauerei. Der Chefbraumeister, ein Regensburger, erläuterte den Produktionsablauf in dem voll automatisierten Betrieb mit nur wenigen Angestellten. Unendlich lang erscheinende Schlangen von Flaschen und Dosen auf mehreren Ebenen wurden von Robotern abgefüllt und auf Paletten geschichtet. Obwohl der bsj-Gruppe beim Riechen des aromatischen Bieres das Wasser im Mund zusammenlief, wurde es mit der ersehnten Kostprobe, zumindest für die meisten, nichts. Alkoholgenuss ist in Japan strengstens verboten. Auch diese Erfahrungen werden die Jugendlichen nach drei erlebnisreichen Wochen mit in die Heimat bringen.

 

 

 

 

Upd2002-08-27